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Das Wichtigste ist, den Menschen nahe zu sein


60 Jahre und kein bisschen leise: In diesem Jahr blickt NEUES LEBEN auf sechs Jahrzehnte Evangelisationsarbeit zurück. Im Gespräch mit ERLEBT erinnern sich Peter und Wilfried Schulte, die beiden Söhne des Gründers Anton Schulte (1925–2010), an die bewegte Geschichte des Werkes, erläutern, wie Evangelisation heute gelingen kann und warum sie voller Hoffnung in die Zukunft schauen.


NEUES LEBEN: In diesem Jahr feiert NEUES LEBEN seinen 60. Geburtstag. Ein Mensch denkt in diesem Alter an den nahenden Ruhestand – woran denkt das Missionswerk?

Wilfried Schulte: Daran, dass es ein Wunder ist, dass wir mit Gottes Hilfe so alt geworden sind und so vielen Menschen das Evangelium von Jesus Christus sagen durften...

Peter Schulte: ... was wir auch weiterhin tun wollen. Darum bewegt uns Vieles, aber auf keinen Fall Gedanken an den Ruhestand!

Wilfried: Was uns derzeit neben den vielen Ideen, wie wir unserem Auftrag am besten nachkommen können, auch beschäftigt, ist natürlich der weitere Generationenwechsel, der in den nächsten Jahren ansteht. Dies aber tun wir mit großer Zuversicht, denn Gott hat schon viele junge Menschen ins Werk geführt, die ein Herz für ihn und die Menschen haben und sich dem Auftrag der Evangelisation verpflichtet wissen.

NEUES LEBEN: An einem runden Geburtstag steht man ja immer auch vor einer Zäsur: Wo komme ich her? Wo stehe ich gerade? Vor allem aber: Wo will ich hin?

Wilfried: Wir kommen aus und stehen in einer guten Tradition, der wir uns auch in Zukunft verpflichtet wissen. Die 60 Jahre waren stets von dem Ziel geprägt, neue Wege zu finden, wo und wie wir die Menschen mit der besten Botschaft der Welt erreichen können. Das heißt, wir wollen in der Art und Weise, wie wir das Evangelium vermitteln, nicht erstarren, sondern dynamisch bleiben und so einer veränderten Gesellschaft Rechnung tragen.

Peter: Und gleichzeitig bleibt in all dem für unsere Verkündigung das Vertrauen in die Wahrheit der Bibel ausschlaggebend. Denn unsere Inhalte werden nicht von jeweiligen Modetrends und Philosophien bestimmt, sondern vom ewigen Wort Gottes.

NEUES LEBEN: Wenn ihr auf den Großevangelisations-Boom zurückblickt, der bis in die 1980er-Jahre hinein anhielt, und in dessen Zug oft Tausende in die Veranstaltungen strömten: Werdet ihr angesichts solcher Zahlen wehmütig?

Wilfried: Als Mensch hat man immer einen Hang zur Nostalgie. Und ganz ohne Zweifel waren das gute und gesegnete Zeiten. Aber man darf nicht vergessen: Es war auch viel Arbeit und Kampf. Darum haben wir keine Wehmut im Herzen – vielmehr Dankbarkeit, dass dies viele Jahre so möglich war. Doch Zeiten ändern sich – und das nicht zwingend zum Schlechteren. So erreichen wir heute vor allem über die verschiedenen Medien wie unsere Fernseharbeit, übers Internet und Radio, das Magazin NEUES LEBEN, aber auch unsere ausgedehnte Freizeit- und Camparbeit mehr Menschen, als wir früher in den Veranstaltungen erreicht haben.

NEUES LEBEN: Also war früher gar nicht unbedingt alles besser, wie man im Rückblick oft meint?

Peter: Nein, ganz sicher nicht. Dazu kommt: Wer den Blick nach hinten richtet, schaut in die falsche Richtung. Ein solcher Fokus ist ebenso falsch wie die Meinung mancher, der gesellschaftliche Boden sei hinsichtlich der Botschaft des Evangeliums heute besonders „steinig“. Der war zu allen Zeiten steinig.

Wilfried: Entscheidend ist doch die Frage: Nutzen wir die Möglichkeiten, die sich uns heute bieten? Wir haben mehr Freiheit, Veranstaltungen durchzuführen, als früher. Hinzu kommt, dass wir mobiler sind, was uns ermöglicht, mit weniger Aufwand und in kürzerer Zeit an vielen Orten zu verkünden. Und sicher sind die Menschen, auch wenn die kirchliche Anbindung immer mehr schwindet, auf gewisse Weise heute offener und interessierter an Glaubensfragen als noch vor Jahren.

NEUES LEBEN: Welche offenen Türen seht ihr heute, von denen Anton Schulte bei der Werksgründung 1954 nur träumen konnte?

Wilfried: Es war immer ein Traum unseres Vaters, vor allem die Medien zur Verkündigung zu nutzen. Das war 1954 nur begrenzt möglich. Heute hingegen haben wir hier schier unendliche Möglichkeiten.

Peter: Ein weiterer Wunsch von Anfang an war, eine theologische Ausbildungsstätte zu gründen, weil ihm die Nachhaltigkeit der Evangelisationsarbeit am Herzen lag. Dieser Traum hat ihn immer bewegt und fand 1985 mit der Gründung des Neues Leben-Seminars, das ja heute Theologisches Seminar Rheinland heißt, seine Erfüllung.

NEUES LEBEN: Ihr seid als Evangelisten und Referenten ja viel in Deutschland unterwegs. Wie ist es in den Gemeinden eigentlich um das Thema Evangelisation bestellt?

Wilfried: Überwiegend sehe ich Gemeinden, die sich intensive Gedanken machen, wie sie das Evangelium am besten an ihrem Ort verkünden können. Da gibt es sehr viel Kreativität. Aber natürlich gibt es auch solche, in denen eine gewisse Sprachlosigkeit im Blick auf den Glauben herrscht, die weniger einem mangelnden Interesse, als vielmehr eher einer gewissen Mutlosigkeit entspringt. Hier wollen wir Mutmacher sein und die Menschen ganz neu mit hineinnehmen in die Vision Gottes für diese Welt.

Peter: Das ist auch meine Beobachtung. Viele, aber leider nicht alle Gemeinden, haben gerade in den letzten Jahren das Thema Evangelisation ganz neu im Blick. Für sie stellt sich die Frage nach der „Brauchbarkeit“ der verschiedenen Evangelisationskonzepte hinsichtlich ihres Zielpublikums. Darum war es NEUES LEBEN immer ein Anliegen, nicht nur eine Form anzubieten, sondern viele Konzepte auf Lager zu haben, die individuell an die Bedürfnisse der jeweiligen Gemeinde angepasst werden können.

NEUES LEBEN: Wie muss Evangelisation denn heute aussehen, damit sie funktioniert?

Wilfried: Bei allen wichtigen Überlegungen, wie man das Evangelium in die unterschiedlichen gesellschaftlichen Milieus hineintragen kann, bei allen Fragen nach passenden Formen, Wegen und Konzepten, hängen Zukunft und „Erfolg“ der Evangelisation zum Glück nicht allein daran. Die wichtigere Frage ist zunächst: Sehen und lieben wir die Menschen wie Gott es tut und lassen wir uns darum von ihm senden? Und wenn die Antwort Ja lautet, dann wird auch jeder die Form finden, die ihm entspricht. Ich bin sicher, dass die klassische Verkündigung, in der das Evangelium proklamiert wird, genauso ihr Publikum hat, wie der eher apologetische Ansatz, der den Glauben stärker erklärend zu den Menschen bringt, oder auch Konzepte, die stark auf Dialog und Erfahrbarkeit des Glaubens setzen. Unsere Gesellschaft ist gemischt und deshalb benötigen wir viele unterschiedliche missionarische Ansätze.

Peter: Das Wichtigste war seit jeher und ist es bis heute, zu den Menschen zu gehen und ihnen nahe zu sein. Darum müssen sich Herangehensweisen und Formen auch immer wieder ändern, weil wir sonst an den Menschen vorbeileben und -reden. Was an einem bestimmten Ort und für eine bestimmte Zielgruppe der richtige Ansatz ist, muss man immer neu und ganz individuell herausfinden. Wer zum Beispiel nur zu Themenwochen in die Gemeinderäume einlädt, schöpft nicht das große Potenzial der Möglichkeiten aus. Ein Hof- oder Straßenfest für die Nachbarn, ein Flohmarkt für einen guten Zweck, ein Frauenfrühstück oder ein Männerwochenende sind Aktionen, die den Weg zu Menschen ebnen.

NEUES LEBEN: Und was ist bei aller Offenheit für neue Wege und Formen unaufgebbar?

Peter: Die Treue zur und das Vertrauen auf die Wahrheit des Wortes Gottes.

Wilfried: Woraus sich die Eckdaten für jegliche Verkündigung ableiten: Wie immer sie geschieht, sie muss den Menschen sagen, dass wir nach dem Bild Gottes erschaffen und geliebt, doch gleichzeitig durch unsere Sünde auch gefallene Kreaturen sind. Dass wir für die Gemeinschaft mit Gott geschaffen sind, doch dass diese Gemeinschaft unterbrochen ist, und dass die Götzen, an die wir uns hängen, um das Vakuum zu füllen – ob sie nun Erfolg, Macht, Geld oder Sex heißen –, niemals Gottes Platz ausfüllen können. Und wir müssen klar und deutlich sagen, dass jeder, der zu Gott zurück will, zuerst umkehren und im Glauben die Gnade annehmen muss, die uns durch Jesus Christus geschenkt wird.

NEUES LEBEN: Welche Themen bewegen die Menschen heute?

Wilfried: Themen gibt es eigentlich wie Sand am Meer, man muss nur genau hinhören. Vor allem beobachten wir, dass Menschen sich in bestimmten Lebensbereichen nach Antworten sehnen: Der ganze Bereich zwischenmenschlicher Beziehungen und ihrer Spannungsfelder zum Beispiel, oder auch die Erfahrung, dass das Leben oft nicht fair ist. Ein weiteres Thema sind fehlende Lebensziele, Selbstwertkrisen sowie die Angst vor einer unsicheren Zukunft. Auf den ersten Blick scheint der Glaube kein Thema zu sein, und doch verbirgt sich hinter all diesen Lebensfragen nicht zuletzt immer auch die Frage nach Gott.

Peter: Ich erlebe vor allem in meiner Seelsorgearbeit, dass die Frage nach dem Sinn des Lebens und damit verknüpft auch die Frage nach der eigenen Bedeutung bei Vielen ganz aktuell im Raum steht. Ein weiteres Feld ist der ganze Bereich rund um die Vergebung, denn jeder Mensch erlebt Verletzungen von anderen und verletzt auch selbst andere. Gerade diese seelsorgerlichen Fragen schenken uns viele Anknüpfungspunkte, um Menschen mit Gott bekannt zu machen. Denn bei ihm finden wir nicht nur Hilfe für dieses Leben, sondern er selbst ist die Antwort auf unser tiefstes Sehnen.

NEUES LEBEN: Wenn es um innovative Evangelisations-Konzepte ging, war NEUES LEBEN ja nie nur Name, sondern immer auch Programm. Welche neuen Wege beschreitet ihr zurzeit?

Wilfried: Zum einen bauen wir im Moment unser Freizeitangebot – allem voran unser Feriendorf „CampWest“ – aus, da diese Arbeit unglaublich tolle Möglichkeiten bietet, gerade Kindern und Jugendlichen Jesus Christus nahe zu bringen. Darüber hinaus sind wir dabei, unsere Schwerpunkte im Fernsehbereich neu aufzustellen, um dort das Evangeliums noch breiter verkünden zu können. In diesem Rahmen haben wir auch unser neues Evangelisationskonzept „180 Grad“ entwickelt. Und im Bereich des Theologischen Seminars Rheinland gibt es zum Beispiel den noch relativ jungen Studiengang „Urbane Mission“, der die missionarische Arbeit in (Groß-)Städten fokussiert. Dazu sind weitere Studienangebote in Planung, die junge Menschen belegen können, um in und mit der Gemeinde missionarisch tätig zu sein.

Peter: Neben den klassischen Evangelisationsarbeiten ist es uns immer wieder ein Anliegen, spezifische Gruppen und Aufgaben in den Dienst der Evangelisation zu stellen. So bieten wir zum Beispiel bereits seit einigen Jahren im Rahmen unserer diakonischen Arbeit auch seelsorgerlich-therapeutische Beratung an. Gleichzeitig werden die Studierenden des Theologischen Seminars Rheinland in Zusammenarbeit mit der „BTS Fachgesellschaft für Psychologie und Seelsorge“ in die Seelsorgearbeit und Lebensberatung eingeführt. Denn wie bereits erwähnt, öffnen sich gerade hier viele Türen für die Weitergabe des Evangeliums.

NEUES LEBEN: Seit 2011 nennt sich NEUES LEBEN nicht mehr nur Missions-, sondern auch Bildungswerk. Warum ist euch diese Betonung wichtig?

Peter: Weil der Bildungsbereich spätestens seit Gründung des Theologischen Seminars 1985 ein Schwerpunkt unserer Arbeit ist, war das nur konsequent. Zudem bauen wir auf Nachhaltigkeit, denn die Ausrichtung des Theologischen Seminars Rheinland besteht nicht nur darin, Evangelisten auszubilden, sondern auch Pastoren und Gemeindemitarbeiter, die das Anliegen der Evangelisation in die Gemeinden tragen und wachhalten. Darüber hinaus waren wir von Anfang an der Überzeugung, dass Verkündigung eine solide theologische Basis braucht. Und wenn man auf die Erweckungsbewegungen der letzten Jahrhunderte blickt, entdeckt man, dass die begleitenden Faktoren stets Folgende waren: Zurück zur Bibel als dem Wort Gottes, Erneuerung der Theologie sowie die Betonung der sozial-diakonischen Arbeit. Darum stehen wir mit dem Schwerpunkt „Bildung“ in einer guten missionarischen Tradition und freuen uns auf die nächste Erweckung. Das kirchengeschichtliche Barometer jedenfalls lässt uns hoffen.

NEUES LEBEN: NEUES LEBEN definiert sich von jeher als Dienstleister, der Gemeinden in ihrer Evangelisations-Arbeit unterstützend zur Seite steht. Warum ist euch die Gemeinde vor Ort eigentlich so wichtig?

Wilfried: Weil die Gemeinde der Leib Jesu und darum das Wichtigste ist. Die Verheißung, die Jesus Petrus in Matthäus 16,18 gibt, gilt der Gemeinde. Der evangelistische Dienst ist nur ein Dienst in der Gemeinde. Ein ohne Frage wichtiger Dienst – und genau darum möchten wir Gemeinden hierin unterstützen. Denn als Evangelisationswerk haben wir natürlich Möglichkeiten, die einer Ortsgemeinde so nicht zur Verfügung stehen. Aber wir können und wollen nicht die Gemeinde ersetzen, in der verbindliche Gemeinschaft des Glaubens gelebt wird.

NEUES LEBEN: Wenn Anton das diesjährige Jubiläum noch erlebt hätte: Worüber würde er sich freuen?

Peter: Dass immer wieder Menschen durch unsere vielfältige Arbeit zum Glauben an Jesus Christus kommen. Das war immer seine größte Freude.

Wilfried: Und über die vielen jungen Menschen, die Jesus liebhaben, ihm nachfolgen und von denen sich einige in die Arbeit von NEUES LEBEN rufen lassen.

NEUES LEBEN: Und was würde er dem Werk für die nächsten Jahre mit auf den Weg geben?

Wilfried: Er würde es uns ans Herz legen, den dreieinigen Gott zu verkünden, denn der Gott, den die Bibel uns offenbart, ist einzigartig. Alle anderen – auch religiösen – Angebote, können vor ihm nicht bestehen. Diese Botschaft müssen wir klar und deutlich verkünden – mit einem liebenden Herzen und helfenden Händen.

Peter: Er würde uns dazu anhalten, das Ziel fest vor Augen zu behalten und die Möglichkeiten zu nutzen, die sich uns zur Verkündigung des Evangeliums bieten. Aus Liebe zu den Menschen und zur Ehre unseres großen Gottes!





Wilfried Schulte ist Direktor des NEUES LEBEN e. V.
Peter Schulte ist Vorstandsmitglied bei NEUES LEBEN e. V. und Seelsorger.

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