Die wahre Berufung einer Evangelistin

 

Wenn Gottes großer Plan unsere menschlichen Pläne zunichte macht

 

„Es geht nicht nur um Vorträge, Predigten und Seminare, sondern um das Leben“, sagt Doris Schulte. „Zum ersten Mal in 20 Jahren, habe ich plötzlich mehrere Dienste abgesagt.“ Warum sie kein schlechtes Gewissen dabei hatte und was ihr bei ihrem vierwöchigen Kanada-Aufenthalt wieder neu bewusst geworden ist, erzählt sie in ERLEBT.

 

Manchmal kommt alles ganz anders, als man denkt. So war es für mich Mitte Juni bis Mitte Juli. Geplant waren in dieser Zeit eine TV-Evangelisation, ein Frühstückstreffen, ein Candlelight-Dinner für Paare, ein Gottesdienst, eine Konferenz und eine 10-tägige Sommerfreizeit. Doch dann kam alles ganz anders. Während der TV-Evangelisation in Derschlag Mitte Juni – gerade an dem Tag, an dem ich die Kurzpredigt über den sterbenskranken Lazarus gehalten hatte – bekam ich einen Anruf aus Kanada, dass mein Vater im Sterben liegt. Zum ersten Mal in 20 Jahren, habe ich plötzlich mehrere Dienste abgesagt, bzw. diese an andere Referenten abgegeben. Zu meinem Erstaunen waren alle Referenten, die ich angefragte, schon von Gott vorbereitet und sind gerne eingesprungen. Dadurch konnte ich meinen Vater in seinen letzten Tagen und bei seinem letzten Atemzug begleiten und auch meiner Mutter eine Unterstützung sein. Es war für uns alle eine intensive und gesegnete Zeit. Auch wenn alles ganz anders als geplant gelaufen ist, weiß ich, dass ich genau an dem Platz war, wo Gott mich haben wollte – bei meiner Familie in Kanada.

 

Egal, wozu wir berufen sind, weil wir berufen sind, sind wir auch befähigt und bevollmächtigt. Und deswegen können wir auch genau das tun, was Gott uns gerade vor die Füße legt. Manchmal sind wir berufen, unseren alltäglichen Aufgaben mit Hingabe nachzugehen. Manchmal sind wir berufen zu einer Zeit des Auftankens, wo unser Feld stillgelegt ist, bis wieder geerntet wird. Manchmal sind wir berufen, neue Dinge zu tun und neue Wege einzuschlagen. Das ist fantastisch. Und manchmal sind wir berufen, uns um einen Pflegefall, einen Neubekehrten, ein Kind, einen Vater oder eine Mutter zu kümmern. Alles hat seine Zeit unter der Sonne und alles, was wir an Liebe und Treue in Beziehungen investieren, wird Frucht für die Ewigkeit sein. Auch wenn Menschen unseren Einsatz nicht immer schätzen oder anerkennen – Gott tut es! Es gibt keine größere Investition, die wir machen könnten, als Liebe in Menschen zu investieren. Das ist die größte Hoffnung für jede Familie, für jede Gesellschaft. Es geht nicht nur um Vorträge, Predigten und Seminare, sondern um das Leben. Es geht nicht nur um Lehre, Wissen und Theorie, sondern um das Dasein, Zuhören, Trösten, Helfen und Ermutigen. Es geht nicht nur um Traktate und Bibeln, sondern um eine Mahlzeit, eine Karte oder einen Blumenstrauß im Namen Jesu. Die Menschen in unserem Leben brauchen unsere Aufmerksamkeit und Hingabe. Sie machen einen Unterschied. Sie werden lernen, Gottes Liebe zu vertrauen, weil sie von Kindern Gottes Liebe empfangen. So funktioniert Gott. Er tut Wunder. Er bringt Hoffnung zu denen, die keine haben durch Menschen, die bereit sind, einen Schritt zu wagen und mit ihm zusammenzuarbeiten.

 

Wenn wir einmal auf unser Leben zurückschauen, werden wir uns sicherlich nicht fragen: Wie viel Geld habe ich verdient oder wie viele Auszeichnungen und Anerkennung habe ich bekommen? Sondern wir werden uns eher fragen: Für wen habe ich gelebt und wofür habe ich mich eingesetzt? Habe ich einen positiven Unterschied im Leben der Menschen bewirkt, die Gott mir anvertraut hat? Gott sucht keine weltlichen Erfolge, er möchte unsere Herzen. Herzen, die sich von ihm lenken lassen, denn unser Leben sind nicht nur einige Jahre zwischen Geburt und Tod, die wir selbst planen für unsere Fortschritte und Vergnügen. Unser Leben ist ein Geschenk, ein Vorrecht, eine Verantwortung, ein Auftrag in höchster Berufung. Dieser Auftrag hat mit der Macht Gottes zu tun, die durch uns fließt zu seiner Ehre.

Eins ist mir in diesem Sommer wieder bewusst geworden: Es ist nicht so wichtig was wir tun, sondern was Gott durch uns tun will. Unser Auftrag heißt nach wie vor: Uns von Gott führen zu lassen, weil wir Menschen sein möchten, die viel lieben, weil wir so sehr von Gott geliebt werden. Und nun gehe ich mit neuer Perspektive und Freude an die Aufgaben und Dienste, die jetzt wieder dran sind.

 

Doris Schulte ist Evangelistin bei NEUES LEBEN

 

Bild: jarmoluk/pixabay

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