Und es allen sagen, die wir auf dem Wege sehn

 

Viele Gemeinden machen die Erfahrung, dass ihre herkömmlichen Konzepte der Evangelisation nicht mehr so erfolgreich sind wie früher. Sie fragen sich, wie sie dem Missionsauftrag Jesu in der heutigen Zeit am besten nachkommen können. Gibt es überhaupt noch Menschen, die einer Einladung in die Gemeinde folgen? Markus Pfeil geht diesen Fragen nach und sucht nach Antworten.

 

In der Auseinandersetzung mit dieser Fragestellung hilft mir das Gleichnis von dem großen Festessen, das Jesus in Lukas 14 erzählt: Jesus berichtet von einem Mann, der ein großes Festessen vorbereitete, zu dem er viele Gäste einlud. Als es dann soweit war, schickte er seine Diener und ließ den Gästen sagen: Kommt, alles ist bereit! Vielleicht haben Sie im Blick auf Ihre Einladung zu einer Veranstaltung in der Gemeinde auch Ihre Gästeliste im Kopf und die Namen auf Ihrer Gebetsliste stehen. Das sind die Menschen, die Ihnen wichtig sind und die Ihnen nahe stehen. Vielleicht steht dort der Name eines Familienangehörigen und sicherlich auch der von Freunden, Nachbarn oder Arbeitskollegen. Leider machen wir oft die gleiche schmerzliche Erfahrung wie der Diener im Gleichnis: Viele der geladenen Gäste haben andere Prioritäten. In dem Gleichnis waren es vor allem geschäftliche, aber auch private Angelegenheiten, die den Eingeladenen in dem Moment wichtiger waren, als die Teilnahme an dem Fest. Und darum hatte jeder von ihnen eine gute Ausrede, der Einladung nicht zu folgen. Auch uns schmerzt es, wenn Menschen, die wir lieben und die uns so wichtig sind, die Einladung Gottes ausschlagen.


Wir müssen an dieser Stelle eine wichtige Entscheidung treffen und uns bewusst sagen: „Ich will mich nicht entmutigen lassen!“ Zum einen dürfen wir daran festhalten, dass Gott unsere Gebete zu seiner Zeit und auf seine Weise erhört, zum anderen will ich glauben, dass es einen Plan B gibt. Vielleicht kennen Sie das Lied: „Gott lädt uns ein zu seinem Fest, lasst uns gehen!“? Dort heißt es weiter: „Und es allen sagen, die wir auf dem Wege sehen.“ Der Gastgeber schickt seine Diener auf die Gassen und Straßen der Stadt und sagt: Holt die Armen, die Kranken, die Blinden und die Gelähmten herein!


Denken wir einmal darüber nach, wer diese Menschen heute in unserer Stadt, in unserem Dorf sind, die wir auf unserem Wege sehen. Vielleicht sind es Menschen, die wir bisher nicht wahrgenommen haben – Einsame, Verzagte. Die, die es kaum wagen zu hoffen, dass sich ihre Lebenslage zum Besseren wendet. Wie viele von ihnen sind verzweifelt und haben niemanden, dem sie wirklich wichtig sind? Vielleicht sind es Migranten oder Flüchtlinge, die von traumatischen Erinnerungen geplagt werden und ein starkes Gefühl der Heimatlosigkeit empfinden. Vielleicht ist es aber auch die alleinstehende Mutter mit ihren zwei Kindern und dem Hund oder die alte Frau mit den Plastiktüten, die keine Angehörigen mehr hat.
Zu diesen Menschen will uns der Geist Gottes führen! Sie standen vielleicht bisher nicht auf unserer Gästeliste. Aber sie standen damals auf der von Jesus: Jesus lud sie ein. Und das Überraschende ist: von diesen Gästen schien niemand abzusagen. (Die meisten brauchten wohl einen Abholdienst). Ich bin sicher, dass es genügend Menschen in unserem Umfeld gibt, die sich freuen würden, wenn wir sie besuchen oder sie zu einem Essen in guter Gemeinschaft einladen würden, wenn wir ihnen unsere Zeit schenken und ihnen somit Wertschätzung entgegenbringen würden. Vielleicht laden wir sie erst einmal zu uns nach Hause ein oder besuchen sie. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass gerade sie sich sehr geehrt fühlten, eingeladen zu werden. Es kam mir so vor, als ob sie darauf gewartet hätten, dass ich komme und mich ihnen zuwende. Einige von ihnen kommen auch gerne mit in unsere Gemeinden. Und vielleicht lässt sich das ja auch mit einem guten Essen verbinden.


Das Gleichnis ist aber noch nicht zu Ende: Es waren noch Plätze frei. Leere Plätze am Tisch Gottes – das darf nicht sein! Denn es gibt noch so viele Menschen, die darauf warten, dass wir uns auf den Weg machen, dass wir sie aufsuchen und sie ins Reich Gottes einladen. Der Herr befiehlt seinem Diener: „Geh auf die Landstraßen, geh an die Hecken und Zäune, halte Ausschau nach Menschen, die sich überzeugen lassen, dass sie eingeladen sind und ein Platz für sie reserviert ist. Damit mein Haus voll wird.“


Ich möchte Sie ermutigen, Gott darum zu bitten, Ihnen ganz konkret Menschen zu zeigen, für die Sie beten und die Sie einladen sollen. Gehen Sie zu ihnen hin, hören Sie ihnen zu und laden Sie sie zu sich ein. Verbringen Sie Zeit mit ihnen, kümmern Sie sich um sie. Lassen Sie sich vom Heiligen Geist führen. Diese Menschen sind von Gott über alles Geliebte – Geliebte, die Gott gerade durch unser Leben, Reden und Handeln von seiner Liebe überzeugen will. Die Freude wird unermesslich sein über jeden, der dann mit uns seinen Platz am Tisch Gottes einnimmt – in seinem Reich.

Markus Pfeil
, Evangelist

 

Bild: Thinkstock.com/iStock

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